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Webrhetorik - der Anfang
Über die verworrenen Wege, die mich dazu führten mich mit Sprache im Internet zu beschäftigen und die Gründe eine Arbeit
darüber zu schreiben
Jörg Dieter, 2002
Das Internet – unendliche Weiten. Ein Fenster in eine neue, noch unerforschte Welt schien sich im Herbst 1997 zu öffnen, als mir mein
altersschwacher 486er nach zähem Ringen mit den Unbillen der Technik endlich die erste Website anzeigte. Voller Eifer begann ich die noch unbekannte Welt zu erschließen. Die scheinbar grenzenlose Fülle an
Material faszinierte mich und machte mich mitunter schwindlig, die Maschine schien mich zu absorbieren und durch die kleine Monitoröffnung in eine verheißungsvolle Terra Incognita hineinzuziehen, so dass ich
mitunter meinen Platz am Computer mit dumpfen Kopf und dem Bedürfnis nach viel frischer Luft verließ. Die Faszination wich jedoch bald der Ernüchterung darüber, wie chaotisch und zugemüllt die neue Welt war und
wie schwierig und zeitaufwendig es war, das Gold, das sie verheißen hatte, zu heben. Zunächst heftig schwankend zwischen Euphorie und Frustration entwickelte ich im Laufe der Zeit eine sachliche Beziehung zu dem
neuen Medium und begann es zu verwenden, wie andere Medien auch - und so hätte es eigentlich bleiben können, wenn nicht...
Im September 2000 begann ich in der 8. Klasse einer Realschule im ländlichen Baden-Württemberg, Deutsch zu unterrichten. Dabei stand auch das
Thema „Neue Medien“ auf dem Programm und weil ich selbst schon einige Zeit an einer Internetseite gebastelt hatte, beschloss ich selbiges auch mit meinen Schülern zu tun. Das brachte mich in die Verlegenheit,
meinen Schülern erklären zu müssen, was eigentlich gute Internetseiten sind und wie man sie herstellt. – Reichte es aus, Schülertexte einfach mit ein paar bunten Bildern vermengt in das neue Medium zu übertragen oder mussten die Schüler für das neue Medium vielleicht ganz neu und anders schreiben lernen? – Über diese Fragen hatte ich mir bisher noch nicht viele Gedanken gemacht und um mir diese Arbeit auch in Zukunft zu ersparen, beschloss ich einen Blick in die einschlägige Fachliteratur zu werfen. Es wurde ein ausgiebiger und sehr ernüchternder Blick.
Zwar fand ich zahlreiche populäre Ratgeber, die alle sehr genau wussten, was eine gute Internetseite ist, sich aber zum Teil diametral
widersprachen und das, was sie als letzte Wahrheiten verkündeten nur selten begründeten. Immernoch hoffnungsvoll wandte ich mich daraufhin der linguistischen Fachliteratur zu, die langsam begann, sich mit der
Thematik zu befassen. Doch auch hier wurde ich enttäuscht. Ein Großteil dieser Literatur schwankte zwischen stammelndem Staunen und pedantischer Erbsenzählerei und war bar jeder Relevanz für meine ganz
praktischen Fragen. Der Graben zwischen der praxisbezogenen, jedoch oft unreflektierten Ratgeberliteratur und der hochwissenschaftlichen Fachliteratur der sich hier auftat, schien fast unüberbrückbar.
Gezwungenermaßen begann ich selbst über die Verwendung von Sprache im Internet nachzudenken, wobei mir mehr und mehr die große Bedeutung der
Thematik bewusst wurde. Hatte das Internet in den letzten Jahren bereits meine eigenen Arbeits- und Lebensgewohnheiten verändert, um wie viel mehr würde es dann das Leben meiner Schüler beeinflussen? Die
wachsende Bedeutung des neuen Mediums für alle gesellschaftlichen Bereiche begann sich mehr und mehr abzuzeichnen und Sprache schien der Schlüssel zu sein, der über Erfolg oder Misserfolg in der neuen Welt
entschied.
Mit der Zeit kam so eins zum andern und schließlich entstand die Konzeption zu dieser Arbeit. Ich hoffe sie hilft eine Brücke zu schlagen zwischen
der oft allzu kochbuchartigen Populärliteratur und der Fachliteratur, die zumeist so trocken ist, dass ihr ein paar Gewürze und ein wenig spritziger Wein ganz gut tun würden. Allen Lesern wünsche ich neue
Einsichten in das faszinierende Medium, Anregungen für die Praxis und vor allem viel Freude!
Webrhetorik - der Plan
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