Seiten für Eigenkultur jolifanto.de
Jolifrosch

21.11.03
© Jörg Dieter

ergreifend - nervenzerfetzend - eigenartig

Inhalt

Schlagzeilen

Webrhetorik
Schülerhomepages
Schreibunterricht
Virtuelle Edition

Wissenschaft
Mathematik
Lerntheorie
Deutschunterricht
Intertextualität
Hugo Ball
Franz Kafka
DaF

Lokales
Vita
Auf Wanderschaft
Explosion
Willkommen
Blütenfee

Gästebuch

Kontakt

Impressum

 

Webrhetorik - der Plan 

Über den Aufbau der Arbeit, der sich aus der Frage ergibt, was eigentliche eine gute Internetseite ist

Jörg Dieter, 2002

Eine gute Internetseite

Beschäftigt man sich als Sprachwissenschaftler mit dem Internet, so sieht man sich einer unglaublichen Fülle gegenüber. Nicht genug damit, dass Texte, Bilder, Filme und Töne wild durcheinandergewürfelt werden, auch ganz verschiedene Kommunikationsformen wie Chat, E-Mail, Newsgroups und Seiten im World-Wide-Web werden miteinander kombiniert. Web- oder Internetseiten kristallisieren sich dabei immer mehr als das verbindende Element heraus, das die medial sehr verschiedenen Teile des Internets zusammenhält und sie dem unbedarften Betrachter gegenüber fast wie eine Einheit erscheinen lässt. Zudem handelt es sich beim World-Wide-Web um den seit Jahren am schnellsten wachsenden Teil des Internets. Die multimedialen Eigenschaften des WWW, seine besondere Stellung im Medienverbund Internet und seine unglaubliche Popularität, die mit einer entsprechend großen gesellschaftlichen Bedeutung einhergeht, machen es von allen Teilen des Internets für eine sprachwissenschaftliche Untersuchung am interessantesten, aber auch zu dem Teil, der einer sorgfältigen Analyse die größten Widerstände entgegensetzt.

Möchte man über die reine Beschreibung von Internetseiten hinausgehen, die bereits an mehreren Stellen und aus unterschiedlicher Perspektive geleistet wurde, so stellt sich irgendwann unweigerlich die Frage, was eigentlich eine gute Internetseite ist. Es finden sich hier zwei Termini, deren Bedeutung im Kontext der Frage der Klärung bedürfen: was ist eine Internetseite und was bedeutet in diesem Zusammenhang „gut“. Die erste Frage erweist sich dabei als relativ zugänglich und wird in den Abschnitten „Die Entwicklung des Internets“ und „Kommunikative Konstellation“ dieser Arbeit ausführlich beantwortet. 

Die Frage nach der Güte einer Internetseite ist hingegen um einiges komplexer. Da es sich bei Internetseiten um eines der vielen Mittel zur zwischenmenschlichen Kommunikation handelt, dessen Qualität durch die oben gestellte Frage bestimmt werden soll, begibt man sich hier auf das Gebiet der Kommunikationsberatung, der es nach Voss darum geht zu bestimmen „mit welchen Mitteln man kommunikativen Zwecken verlässlich gerecht werden kann.“ Dies macht es nötig zuerst einmal zu klären, wie und warum die Kommunikation zwischen den Produzenten und Rezipienten von Internetseiten überhaupt funktioniert.


Kommunikation im Internet

Ein sinnvoller Ausgangspunkt zur Betrachtung der Kommunikationsvorgänge im Internet, ist es, zunächst einmal die Entwicklung des Internets selbst nachzuzeichnen. Die technischen Voraussetzungen des Internets bestimmen jeweils Möglichkeiten und Grenzen der Kommunikation in diesem Medium. Sie haben sich seit seiner Entstehung ständig gewandelt und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Hand in Hand mit der technischen Entwicklung ging die Entwicklung der gesellschaftlichen Bedeutung des Internets. Kommunikation im Internet findet nicht in einer eigenen, abgeschlossenen Welt statt, sondern beeinflusst in zunehmenden Maße Kultur, Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und die Lebensgewohnheiten vieler einzelner Menschen.

Um die Kommunikationsprozesse im Internet zu analysieren, reicht jedoch eine Betrachtung der technischen Möglichkeiten und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht aus. Es muss auch untersucht werden welche „Kommunikative Konstellation“ sich aus der Verbindung der technischen Möglichkeiten mit den Kommunikationsteilnehmern, sprich den Produzenten und Rezipienten von Internetseiten ergibt. – Von welchen kommunikativen Zielen werden Internetnutzer und -Produzenten bei ihren Aktivitäten eigentlich geleitet? Fragen wie: „Wann ist einer Internetseite nützlich?“, „Wann ist eine Internetseite erfolgreich?“ und „Wie lassen sich Internetseiten evaluieren?“ müssen hier diskutiert werden.

Nach dieser ausgiebigen Grundierung ist es möglich, zum sprachwissenschaftlichen Kern der Problematik vorzudringen und zu fragen wie man im Internet eigentlich liest und schreibt. Sind schon Lesen und Schreiben für sich allein genommen äußerst komplexe Phänomene, so gibt es eine ganze Reihe von Faktoren, welche die Komplexität beim Lesen und Schreiben im Internet noch erhöhen.

Ganz abgesehen von den vielen Besonderheiten des Lesens im Internet, die sich auch darauf auswirken, wie für das Internet geschrieben werden sollte, machen es auch die technischen Gegenbenheiten notwendig neben der inhaltlichen Gestaltung und dem Textdesign auch ein Navigationsdesign zu erstellen.

Um die Frage, was eine gute Internetseite ist, beantworten zu können, muss also das Zusammenspiel zwischen den kommunikativen Zielen des Produzenten und den Bedürfnissen der Nutzer im Rahmen der technischen Möglichkeiten des Mediums und vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Umfeldes betrachtet werden. Tut man dies, so kommt man der von Antos eingeforderten „angewandten Linguistik, die bei der Wahl ihrer Gegenstände von Bedürfnissen und Problemen der Öffentlichkeit ausgeht und sprachlich-kommunikative Wissens- und Fertigkeitsdefizienzen sowie Optimierungs-möglichkeiten im Kontext einer Theorie der (produktiven wie rezeptiven) Sprachverarbeitung theoretisch zu erklären versucht.“ einen ganzen Schritt näher.